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Mutters

Agenda

siebenten Band

16. April 1966

(Mutter zeigt Satprem eine Notiz, die sie mit "Die Stadien der Liebe" überschrieben hat)

Hier – die letzte Stufe ist die absolut reine Sache. Und die Macht... die schöpferische und transformierende Macht dieser Schwingung ist unvorstellbar! In dem Augenblick, wo man sie lebt, ist nichts mehr unmöglich. Unvorstellbar.

Zuerst liebt man nur, wenn man geliebt wird...

Das ist der gewöhnliche Zustand der Menschen. Die Schwingung der Liebe eines anderen muß die eigene Liebe erwecken, sonst bleibt man stumpf.

Dann liebt man spontan...

Das bezeichnet eine bereits etwas weiter entwickelte Menschheit. Auf einmal spürt man die Liebe. Man begegnet jemandem oder etwas und – ah, das Gefühl kommt! Allerdings:

aber man möchte wiedergeliebt werden...

Man besteht darauf, wiedergeliebt zu werden!

Später liebt man, selbst wenn man nicht wiedergeliebt wird...

Das sind im allgemeinen Menschen, die einen ziemlich weit entwikkelten yogischen Zustand erreicht haben.

aber man wünscht sich immer noch, daß die eigene Liebe angenommen wird...

Ja, das ist eine Erfahrung, die ich persönlich gemacht habe. Es gibt einen Moment, da ist man ganz und gar in der Lage, ohne Erwiderung zu lieben, man steht über der Notwendigkeit, wiedergeliebt zu werden, aber man hat noch... nicht direkt ein Bedürfnis, aber irgendwie soll es wenigstens gefühlt werden und wirksam sein.

Hinterher lächelt man darüber.

Schließlich liebt man schlicht und einfach, ohne irgendein anderes Bedürfnis oder eine andere Freude als die des Liebens.

Das ist für mich, nach meiner persönlichen Erfahrung, die Allmacht.

Es ist eine Macht, die alles verwirklichen kann – alles. Nichts ist ihr mehr unmöglich.

Allerdings habe ich auch bemerkt, wenn sich "das" ohne Einsicht manifestieren würde, wenn es sich sozusagen unbeherrscht und unkontrolliert in der Erdatmosphäre durchsetzen würde, so wäre das... Alles, was diese Kraft verleugnet oder verneint (absichtlich oder ungewollt), würde wie ausgelöscht. Die äußeren, sichtbaren Folgen wären daher... ungeheuerlich. Sri Aurobindo hat das schon geschrieben. Er sagte, zuerst müsse die Erkenntnis kommen. Zuerst muß die Wahrheit herrschen, erst dann kann die Liebe sich ungehindert manifestieren: a wholesale manifestation.

Bislang ist es wie gefiltert. Noch ist es gefiltert.

Trotzdem hat "Das" eine Schwingungsqualität, die alles Vorstellbare übersteigt. Krankheiten, Schwierigkeiten... all das hat keine Realität.

Der Körper verlangte fortwährend... weder ein Zeichen noch eine Versicherung noch einen Beweis: all dies zugleich – eine Art Empfindung, wenn man es so nennen kann, daß "der Herr regieren soll". Ich sage das mit kindlichen Worten, weil sie am wahrhaftigsten sind. Der Herr soll bestimmen. Der Körper verlangte "das" die ganze Zeit, wie ein Kind fordern kann: "das" in all den unzähligen Nichtigkeiten, die man die ganze Zeit tut, die eigentlich der Stoff sind, aus dem das Dasein des Körpers gemacht ist. Es wurde so intensiv... Alles, was als getrennt von "dem" wahrgenommen wird, erscheint leblos: Asche, träge, aber nicht einmal mit der Kraft der Trägheit, nein, die Trägheit von Staub – ich meine, Fels hat eine Macht in seinem Dasein, eine Macht der Kohäsion, der Dauer – nicht einmal das: Staub. Da war also ständig und immerzu dieses Gebet im Körper. Und das führte mich zu dieser Erfahrung.

Wenn "das" da ist, so ist es, als ob sich alles zu einer goldenen, lichtvollen, strahlenden Macht aufplustern würde: ein ungeheures Volumen an Intensität! Ist das nicht da, so ist alles Staub.

Natürlich besteht in allen Zellen ständig die Bestrebung, der intensive Wille, es möge nur noch Das geben.

Und alles, was "Das" in Abrede stellt oder ihm entgegenarbeitet, es schwächt oder dämpft, wird schmerzhaft. Tatsächlich schmerzhaft – nicht im Sinne eines moralischen oder psychologischen oder materiellen Leidens... seltsam, es ist kein physischer Schmerz, sondern ein noch materiellerer Schmerz als der physische... eine Art Ersticken.

Der Körper hat jetzt wirklich den Eindruck (einen Eindruck, kein Wissen – es ist kein Gedanke, sondern ein Eindruck, allerdings ein sehr starker), dies sei es, was den Tod bringe, was einen sterben läßt: diese Art Ablehnung der Schwingung – nicht einmal immer gewollt, denn es hat nicht einmal das Bewußtsein des Willens (dies kommt vor, aber dann ist es ein Kampf), sondern es ist in der Materie. Man fragt sich, ob es da vielleicht eine Art Bodensatz gibt – einen Staubrest –, der keinerlei Empfänglichkeit zeigt? Ich weiß nicht.

Ich weiß es nicht.

Aber auf jeden Fall gibt es einen bestimmten Zustand, der mir der gewöhnliche Zustand zu sein scheint, in dem die Menschen leben, und der ist erstickend.

(Schweigen)

Dann schrieb ich einfach diese Notiz, ohne jede Absicht. Sobald sie geschrieben war, kam der Befehl, sie zu veröffentlichen. Ich sagte mir: "Gut, das ist dann für den August." – "Nein, JETZT." Also ließ ich im nächsten Bulletin eine Seite hinzufügen.

Warum? Ich weiß es nicht. Vielleicht um die Atmosphäre vorzubereiten.

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(Mutter übersetzt in einem Zug einen Vers aus Savitri, dann kommentiert sie:)

Man liest hier (im physischen Buch), dann bleibt man still; man öffnet eine Tür, und es kommt.

Das ist lustig, ich habe dies soeben geschrieben, als wäre ich dazu bewegt worden. Gewöhnlich ist hier (Geste zur Stirn) alles immer weiß und still, und in dieser Stille formuliert es sich. Aber vorher war es nicht so: ich las, es kam hier; dann machte ich eine Bewegung nach hinten, eine Tür öffnete sich, und es stand deutlich geschrieben!

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