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Mutters

Agenda

zweiten Band

25. August 1961

(Mutter bringt Blumen) Hier, das ist "Alchemie" 1 . Und hier! (Mutter gibt Satprem Käse)

Ich habe noch viel, weißt du!

Das macht nichts, mein Kind, es ist das letzte. Ich habe vielleicht noch ein, zwei Dosen, das ist alles.

Und wie geht die Arbeit?

Ich weiß nicht.

Das macht nichts.

Du mußt es wissen!

Wie?

Du mußt wissen, wie es geht!

(Mutter lacht) Ja! Ich sage: "das macht nichts... wenn du nichts sagst" – ich dachte, daß du nichts sagen würdest! Aber es ist gut! Es geht gut.

X schrieb mir (er schrieb auch an M), und mir schrieb er, daß er am 29. hier sein wird und am 10. abfahren muß. Es wird also nicht allzu lange dauern – all das wegen bestimmter Zeremonien, diesem und jenem 2... Und er schrieb mir, daß er jemanden einweisen wird, der ihn bei all den Zeremonien vertreten kann, um freier zu sein, länger hierher zu kommen. Aber zu M (ich weiß beim Teufel nicht, was der ihm geschrieben hat) sagt er: Ja... (so etwa) die Situation im Ashram ist sehr unangenehm und die Eifersucht und der Neid der Leute wächst mehr und mehr, aber daß er sich so von der Gegenwart "der Mutter" angezogen fühlt, daß er trotzdem kommen wird.

Ich gestehe, daß ich den Brief nicht mochte. Aber ich halte ihn nicht dafür verantwortlich, denn... Wenn die Leute ihm Dinge erzählen, glaubt er sie. Und Gott weiß, was der andere ihm erzählt hat!

(Schweigen)

Wenn ich vor langer Zeit, etwa vor drei, vier Jahren meditierte oder jemandem mit sehr schlechter Einstellung eine Meditation gab, mußte ich mich etwas anstrengen. Aber jetzt... gar nicht mehr. Gar nicht mehr. Ich bemerke es überhaupt nicht, wenn X eine Schwierigkeit hat, überhaupt nicht. Alles, was ich für meine Meditation mit ihm unternehme, ist, mich durch meinen gewohnten Zustand vorzubereiten, und sobald er kommt, mache ich einen Ruf (den ich sonst nicht mache, weil es nicht nötig ist), ein Ruf, und dann befinde ich mich sofort in einem glückseligen Zustand. Ich fand nicht, daß es in gewissen Fällen mehr Schwierigkeiten gab als in anderen – ich SPÜRE DEN WIDERSTAND NICHT, weder in der Atmosphäre noch in den Menschen: das ist zwingend [die Macht]. Deshalb war ich so erstaunt, als er das andere Mal anfing zu erzählen, daß er mindestens zehn Minuten brauchte, um sich in Meditation zu versetzen – das erscheint mir phantastisch! Er sagte es mir selbst, sonst hätte ich es niemals geglaubt. 3

Nun, wir werden sehen.

Gut, mein Kind.

Es geht nicht schnell voran, weißt du.

Es geht nicht schnell... Hast du am Anfang angefangen?

Ja.

Ah!... Geht es? – Ja, ja, ich verlange keine Erklärungen (!).

Ich kann nicht sagen, daß ich zufrieden bin.

Hmm!...

*
*   *

Etwas später

Oh! Letzte Nacht wieder... es geschehen charmante Dinge.

Jetzt verbringe ich immer einen Teil der Nacht im Bereich der Ausdrucksformen, ein Bereich, in den ich sonst nie ging. Es ist ein sehr angenehmer Ort. Er ist sehr menschlich im Sinne, daß es keine Naturszene ist: es sind große Räume und große, sehr intellektuelle Organisationen, aber sehr angenehm! Mit einer so klaren, so transparenten Atmosphäre – es ist alles in hellen Tönen, zwischen... (Mutter gibt den Versuch auf, es zu beschreiben) oh, es ist sehr leuchtend und angenehm! Es ist sehr gut organisiert, es geht ins Unendliche: es scheint so groß wie die Erde zu sein. Aber, stell dir vor, es sind Räume ohne Dach! Große Räume voller Licht, aber kein Dach, und die Trennwände sind durchsichtig. Drinnen sind Leute, die sehr aufgeweckt erscheinen – nicht viele, aber sehr eifrig, sehr aufmerksam. Sie ordneten – sie ordnen. Es müssen Leute sein, die gerade Bücher schreiben. Sie stellen Dinge zusammen, wenn du wüßtest, wie schön das zu sehen ist! Es ist als brächten sie Farben und mehr oder weniger geometrische Formen zusammen und stellten sie an ihren Platz in Bezug zu einander. Dort sind große Regale, aber Regale, in denen alles geordnet ist, und gleichzeitig gibt es keine Türen! Sie sind nicht verschlossen. Alles ist offen, und alles ist geschützt. Ein interessanter Platz, gewöhnlich gehe ich nicht dorthin (ich war vielleicht zwei- oder dreimal in meinem Leben dort, ohne dem große Aufmerksamkeit zu schenken), aber jetzt, wegen dem Buch, das du schreibst, führt mich Sri Aurobindo immer dort hin.

Da sind Leute, die keinem Land angehören. Er führt mich zu einem Platz, wo die Leute keinem Land angehören. Sie gehören keiner Rasse an und haben keine besondere Kleidung. Sie scheinen sehr universell zu sein. Sie bewegen sich darin mit Harmonie und in Schweigen: es ist, als ob sie gleiten – und mit einer Genauigkeit! Alles ist so genau. Einige zeigten mir sogar Dinge: so schöne farbige Papiere! Es sind aber keine irdischen Farben, wie transparent. Und sie ordnen all das. Sie zeigten es mir, erklärten, wie man es arrangieren muß, um die größte Wirkung zu erzielen.

Ich sah dich mehrere Male. Du hattest die Kleidung, die du hier trägst [ein Dhoti], nicht genau das, aber etwas ähnliches: keine europäische Kleidung – dort haben sie nicht die Kleidung eines speziellen Landes. Meistens ist es weiß. Es ist weiß, aber nicht aus Stoff. Das liegt in einem SEHR leuchtenden, sehr geordneten und sehr klaren Mental: dort gibt es so gut wie keine Objekte, nur Dinge, die Papieren ähneln und die Ideen zu sein scheinen, oder Anordnungen von Ideen – aber es verursacht keine Überfüllung. Und es ist weit! Weit-weit, man sieht kein Ende. Und nach oben ist es ganz offen. Die ganze Zeit ist es wie ein Licht, das herabkommt. Man geht auf etwas, das solider ist, aber auch nicht sehr. Es ist ein interessanter Platz.

Fast jede Nacht gehe ich für eine halbe oder dreiviertel Stunde zu diesem Platz, und Sri Aurobindo ist dort und zeigt mir alles. Dann sind da Leute, die ihn erwarten (in bestimmten Ecken haben die Leute alles vorbereitet und erwarten ihn), und wenn er ankommt, zeigen sie ihm, was sie gemacht haben. So erklärt er es ihnen: ein Wort, eine Geste, nicht viel und dann, ah! es nimmt Form an. Ein interessanter Ort. Und ich bringe dich die ganze Zeit, die ganze Zeit, jeden Tag damit in Kontakt – es macht nichts, wenn du dich nicht erinnerst! Das hat keine Bedeutung...

(Satprem scheint nicht zuzustimmen)

Im Grunde ist die Erinnerung nur eine Unterhaltung. Ich bin zu dieser Schlußfolgerung gekommen, daß es nur zur Unterhaltung und für die persönliche Befriedigung ist – aber es ist überhaupt nicht nötig. Ich sehe, daß ich den ÜBERWIEGENDEN Teil meiner Arbeit verrichte – und mit großer Genauigkeit verrichte –, ohne daß es notwendig ist, hier zu registrieren – absolut nicht notwendig. Ich bin völlig bewußt, wenn ich sie verrichte, aber mir liegt nicht daran, mich zu erinnern.

Gut, mein Kind. Auf Wiedersehen.

Brauchst du wirklich nichts?

Nein, liebe Mutter, ich habe alles, was ich brauche.

Du sagst, wenn du etwas benötigst. Man muß für dich sorgen während deiner Arbeit.

Es geht mir sehr gut.

Auf Wiedersehen, mein Kind.

 

1 Pankrazlilie, Schönhäutchen.

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2 Die tantrischen Zeremonien im Tempel von Parvati.

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3 In Wirklichkeit war er es nicht selber, sondern einer von Mutters Sekretären, N, der in der Folgezeit große Verwirrung in Xs Beziehung mit Mutter und mir bringen wird. Schon hatte die Jagd nach den kleinen tantrischen Mächten begonnen.

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