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Mutters

Agenda

dritten Band

23. Juni 1962

Vor ein oder zwei Tagen (ich weiß es nicht mehr genau, jedenfalls nachdem wir uns das letzte Mal trafen), ohne daß ich an etwas dachte, ohne es zu wollen, nichts (ich ging gerade auf und ab, ich weiß nicht mehr, was ich tat) wurde ich oder sah ich plötzlich ein großes weißes Wesen mit einer Art Hellebarde in der Hand und einer zwingenden Willenshaltung (eiserne Geste)... Es war, als sagte es der Welt: "Genug der Ausflüchte, genug des Lavierens, jetzt ist es Zeit, es muß vollbracht werden!"

Alles, was der Körper tat, war völlig unwichtig: egal was ich tat, ich sah immer dieses große Wesen (ich sah das von oben) – es war wie eine große Transformationsmacht im Vital. Ein sehr großes Wesen, sehr ruhig, sehr mächtig, natürlich ohne Leidenschaft, aber völlig unbeugsam und... "Genug des Wartens, genug der Ausflüchte, genug des Zögerns, ES IST AN DER ZEIT!"

Das hielt länger als eine Stunde an – wenigstens zwei Stunden. Der Körper war so wie immer, und ich setzte die Tätigkeit fort, mit der ich gerade beschäftigt war, das war alles. Ich erzähle es dir, weil ich mich mittendrin plötzlich an dich erinnerte: "Er will sehen!" Also sagte ich diesem Wesen: "Zeig dich Satprem, zeige ihm, daß du da bist!"

Ich fragte mich, ob du etwas gesehen hast...

?

Das hielt lange an. Ich weiß aber nicht mehr, wann es war. Ein Teil ereignete sich, als ich auf und ab ging (ich gehe um 5 Uhr morgens und um 5 Uhr abends). Als ich mit dem Gehen begann, war es da, und lange danach – ich weiß aber nicht mehr, ob es am Morgen oder Abend war.

Jeden Morgen, während ich gehe, konzentriere ich mich mit der Hoffnung, daß du dich an deine Nächte erinnerst und eine Erfahrung hast.

Und es rührte sich nicht, in dem Sinn, daß vieles hätte passieren können: Es stand da, wie an der Grenze zur irdischen Welt und wie eine Erklärung des Höchsten – ein sehr großes Wesen.

Ganz weiß, hell leuchtend, funkelnd! Mit dieser Hellebarde und, ja, mit einem sehr entschlossenen Ausdruck: "Genug der Ausflüchte, jetzt wird nicht mehr gezögert, die Zeit ist gekommen!"

Da sagte ich ihm: "Geh zu Satprem, zeige dich ihm!" Du hast nichts gesehen?

Nein. 1

Es ereignet sich so manches.

Sujata hatte einen Traum letzte Nacht...

So!

Wenn du willst, lese ich dir vor, was sie aufgeschrieben hat: "Ich war in Pavitras Büro und stand auf dem Teppich neben seinem Tisch. Ich hebe die Augen und sehe den Flur. Er ist leer. Da erscheint plötzlich Mutter ganz hinten in der Nähe ihres Badezimmers. Sie ist sehr klein, meine liebe Mutter. Sie kommt auf das Büro zu, wo ich mich befinde. Sie geht rechts am kleinen Boudoir vorbei. Sie hat bereits die großen Fenster mit den Vögeln und den Rosenvasen zu ihrer Linken gelassen. Sie wird größer. Mit jedem Schritt wird sie größer. Sie erreicht ihren Stuhl, die Treppentür, mein Labor, und sie wird immer größer; dann die Tür zu Pavitras Zimmer, die Terrassentür, und Mutter erreicht das Büro. Sie überschreitet die Türschwelle: Ihr Kopf berührt oben fast den Türsturz. Mutter tritt ein. Sie hat eine Größe! Jetzt berührt ihr Kopf die Decke 2 . Stehend reiche ich kaum bis zu ihren Knien! Etwas in mir ist vor dieser erhabenen Größe erschüttert. Ich werfe mich zu ihren Füßen."

(Nach einem Schweigen) Ich sehe sie häufig nachts...

(Schweigen)

Es gibt eine ganze Reihe sehr neuer Dinge im Unterbewußten (im vitalen und physischen Unterbewußtsein), die ich vorher nicht hatte. Es ist nicht mein Unterbewußtsein, es ist viel allgemeiner, und fast wie Offenbarungen, das heißt, ich sehe plötzlich mit Überraschung Dinge über Leute (Leute, die ich sehr gut kenne, deren inneres Wesen ich sehr gut kenne): "Sieh an, das war da!"

Viele, viele Leute.

Mich interessiert das nicht besonders (!), man will aber offensichtlich, daß ich es weiß. Nicht weil ich sehen oder wissen will (die Konzentration ist eher darauf gerichtet, den Körper vorzubereiten und empfänglich zu machen: aktiv tue ich das), aber in meiner Andacht exteriorisiere ich mich wahrscheinlich plötzlich oder ich weiß nicht was, und dann sehe ich alles mögliche. Ich SCHLAFE NICHT (wie soll ich sagen?)... ich gehe von einem bewußten Konzentrationszustand in einen passiveren Zustand über, wo man mich an den verschiedensten Szenen, Visionen mit vielen Leuten und vielen Dingen teilnehmen läßt, um mein Wissen zu vervollständigen. Einige sind amüsant, interessant, neu, und ich weiß es nicht, aber ich vermute, daß Sri Aurobindo etwas damit zu tun hat, weil dahinter ein Humor steht. (Mutter lacht) Es sind komische Sachen, die mich zum Lachen bringen. Vor allem aufgrund der übermäßigen Ernsthaftigkeit der Leute gegenüber Dingen, die völlig unwichtig sind – das ist es: die unverhältnismäßige Bedeutung, die die Menschen vollkommen unwichtigen Ereignissen beimessen!

(Schweigen)

Letzte Nacht schien man ein großes Fest vorzubereiten. Ich weiß nicht wo (vielleicht im Ashram, denn da waren viele Leute aus dem Ashram), das war es aber nicht, es war ein Fest der Erde, und alle waren in weiße Spitzen gekleidet. Das war natürlich zutiefst lächerlich. Sie taten es sehr sorgfältig, und es war sehr wichtig.

Was stellten die weißen Spitzen dar?... Das war so wichtig!

Da gab es Einzelheiten... sehr amüsant.

(Schweigen)

Auch letzte Nacht bemerkte ich, daß ich sehr groß war – im allgemeinen bin ich sehr groß. Groß und stark.

 

1 Satprem hatte nichts gesehen, während seines Japas hatte er jedoch plötzlich den "Eindruck" eines großen Kriegers neben ihm – da es nur ein "Eindruck" war, nahm er es nicht so wichtig. Er wollte sehen, wie man einen Tisch oder einen Stuhl sieht.

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2 Eine Höhe von ca. 5 Metern.

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