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Mutters

Agenda

vierten Band

4. September 1963

Eine Lawine von Briefen!

Jemand wird vermißt, also fragt man mich, wo er ist: ob er tot ist oder noch lebt. Ein anderer steckt in Schwierigkeiten: er will mich sehen. Jemand... Leute, die ich überhaupt nicht kenne! Haufenweise Briefe. Sie bitten mich darum, daß ihre Geschäfte gut laufen, daß sie gesund werden, daß sie ein Kind bekommen (einen Jungen!), um eine gute Stellung... sie schreiben mir einfach alles, was sie sich gerade wünschen, und einigen soll ich auch noch wahrsagen! Ich sage ihnen unverblümt: "Ich bin keine Wahrsagerin, ich lese nicht aus dem Kaffeesatz!"

(Mutter schreibt etwas)

Diese Antwort werde ich all jenen schicken, die ich nicht kenne und die um etwas bitten: What have you given to the Lord, or done for Him, that you ask me to do something for you? – I do only the Lord's work 1! (Mutter lacht)

Man sieht, das liegt Millionen und Abermillionen Meilen von ihrer Denkweise entfernt...

Ist das nicht lustig? Sogar Nolini wird schockiert sein (Mutter lacht). Mich amüsiert das jedenfalls.

Im Grunde stellen sie sich das Göttliche als etwas vor, das ihnen zu dienen hat – das etwas mehr weiß als sie selber (!) und für sie arbeitet, um ihnen alles zu geben, was sie sich wünschen.

*
*   *

Nach einer Meditation mit Satprem

Ich habe wieder eine quadratische Form vor dir gesehen, wie das letzte Mal, aber diesmal war es nicht dieselbe Form: ein helles, goldenes Licht, und diese quadratische Form erschien vor dir (zwischen der Kehle und dem Solarplexus), dann stieg sie immer höher und höher, sachte, ganz sachte über deinen Kopf hinaus, und von dort breitete sie sich sehr ruhig in einem großen Licht aus.

Ich glaube, dies ist das Symbol deiner Meditation. Ein Quadrat – ein vollkommenes Quadrat, ungefähr so groß, von hier bis dahin (von der Schädelspitze bis zum Solarplexus): das bist du, wenn du meditierst. Es war sehr solide verankert, wie etwas Festbegründetes. Dann stieg es ganz langsam immer höher, bis über deinen Kopf hinaus, und da... nicht heftig, es zerbarst nicht, aber es breitete sich in eine Unermeßlichkeit von Licht aus.

Das Symbol deines Bewußtseins.

Es erscheint immer als quadratische Form.

Das letzte Mal hatte ich dir gesagt, daß es sich um tantrische Lichter handelte; diesmal war es ein blasses Gold, sehr leuchtend, sehr ruhig und die Form (des Quadrats) war wie eine etwas goldenere Schwingung, etwas dunkler (aber nicht düster), und sie blieb sehr lange unbewegt. Dann spürte ich plötzlich, wie etwas in deinem Bewußtsein aufblühte, sich entspannte und wie ein Wohlbehagen in deinem Bewußtsein entfaltete. Kaum war das eingetreten, begann das Quadrat immer höher aufzusteigen, bis über deinen Kopf hinaus, und von dort...

Ist es das Symbol deiner Meditation oder deines Bewußtseins?... – Das Symbol deines Bewußtseins.

Hast du ungefähr in der Mitte der Meditation plötzlich so etwas wie eine Entspannung, ein inneres Wohlbefinden empfunden?

Ja, das habe ich gefühlt.

Dann ist es das.

Sobald du es fühltest, begann es aufzusteigen... als ob es sich in einer Unendlichkeit verlieren würde.

Das ist gut.

Sehr gut.

Hast du nichts zu sagen? Wir haben noch eine Viertelstunde.

Seit einiger Zeit beschäftigen mich bestimmte Dinge sehr: der Tod.

Der Tod?

Sehr.

Weil... nun ja.

Und du fragst dich, was das bedeutet?

Ich habe den Eindruck einer Bedrohung, irgend etwas liegt wie ein Verhängnis auf der Lauer, und je mehr sich das Jahr seinem Ende nähert, desto schwerer lastet es auf mir.

(Schweigen)

Sujata empfand dies die letzten Monate auch – ich hingegen schon seit langem. Ich habe den Eindruck, daß etwas auf ihr und mir lastet – ich weiß nicht, auf wem von beiden. Früher dachte ich nie besonders an den Tod, jetzt denke ich ständig daran.

Was meinst du mit Tod?

Das heißt für mich, diesen Körper zu verlassen.

Betrifft es dich persönlich?

Es drückt sich persönlich aus; vielleicht ist es aber auch etwas Umfassenderes, ich weiß es nicht.

(Mutter bleibt still) Vor zwei Jahren sah ich das häufig über dir – viel mehr als jetzt. Es scheint weggegangen zu sein, eigenartig. 2

Vor zwei Jahren, als ich jeweils hinunterging und dich in Pavitras Büro sah.

Es gab eine Zeit, wo ich eingriff (während der Arbeit mit dem Swami, zu diesem Zeitpunkt). Aber in letzter Zeit... habe ich nichts Besonderes gesehen – die Angriffe kommen periodisch und weisen auf alle möglichen katastrophalen Möglichkeiten hin: bei dir nicht ausgeprägter als bei andern. Das ist Teil der Arbeit, ich beachte es nicht.

Was aber die gegen dich gerichtete Bedrohung betrifft, so scheint es jetzt viel besser zu stehen als vor zwei Jahren.

Es kann allerdings sein, daß du aufgrund meiner Arbeit mit einer bestimmten Schicht von Möglichkeiten in Verbindung gebracht wirst und dir dessen bewußter wirst... Sujata muß, ohne es zu wissen, unter deinem Einfluß stehen, und so empfindet sie dasselbe wie du – dies ist mein Eindruck.

Ich werde darauf achten, aber in letzter Zeit habe ich nichts besonderes gesehen. Im Gegenteil, was ich damals bei dir sah und bewußt beseitigte, sehe ich nicht mehr, besonders seit diesem Jahr – ich werde es beobachten.

Ich habe eher den Eindruck einer Arbeit im Rahmen deines Bewußtseins, etwas, das erwacht, das vorher weniger bewußt war – eher das als eine bevorstehende Gefahr.

Wie geht es dir gesundheitlich? Immer noch müde?

Nicht gerade glänzend. Ach, ich habe schon immer geahnt, daß 1963 für mich ein sehr wichtiges Datum sein würde. Warum? Ich weiß es nicht.

Ja, wir WOLLEN, daß es sehr wichtig ist!

Eine Sache kam in letzter Zeit mit großer Beharrlichkeit wieder, und zwar die Erinnerung (eigenartigerweise kommt es wie eine ERINNERUNG, als wäre es etwas selbst Erlebtes): deine Gefangenschaft im Konzentrationslager. Das ist sehr eigenartig. Vor zwei oder drei Wochen kam es mit großer Macht wieder. Ich beobachtete sogar – studierte vielmehr –, welche Konsequenzen diese Erfahrung für deinen Körper hatte. Ich studierte dies, und... tat schließlich das Erforderliche.

Ich weiß nicht, bei all diesen Erfahrungen versuche ich, das Denken so weit wie möglich im Hintergrund zu halten, denn für die korrekte Wahrnehmung ist es nicht hilfreich. Darum kann ich nicht sagen, ob es einen Grund für diese "Erinnerung" gab oder nicht tatsächlich findet das Mental immer Gründe für alles... Ich kümmere mich nicht darum, ich suche nicht zu wissen, und somit kommt es nicht – die Dinge geschehen aus sich heraus. Offensichtlich bestand eine Notwendigkeit: ich weiß, daß alles, was geschieht, notwendig ist, sonst geschieht es nicht. Diese Erfahrung rief aber gar nicht das Gefühl oder die Wahrnehmung einer Gefahr für dein physisches Leben hervor. Jetzt spüre ich keine Gefahr, während ich sie vor zwei Jahren spürte. Jetzt nicht mehr.

Diese Erinnerung bot aber den Anlaß für eine mehrere Tage anhaltende Arbeit mit bestimmten physischen Schwingungen in allen physischen Bereichen, mit denen ich mich beschäftige. Diese Erinnerung... (sonderbar, sie ist immer LOKALISIERT – irgendwo lokalisiert...) sie hinterließ eine sehr deutliche Wahrnehmung, genau wie die Wahrnehmung von etwas, das einem persönlich zustieß (aber alles, was mir zustößt, geschieht jetzt so). Allerdings wußte ich gleichzeitig, daß diese Erfahrung deinem eigenen Körper widerfahren war. Dann... ja, ich erinnere mich an eine bestimmte Schwingungsqualität... (Mutter "beobachtet" schweigend), und diese stand in Verbindung mit dem Studium der Erfahrung, welche die Zellen im Verlaufe des Todes durchmachen. Ich erinnere mich, wie ich die Zellerfahrungen beobachtete (die sonst meist nur halbbewußt und häufig sogar unbewußt ablaufen). Diese halbbewußten Erfahrungen verbleiben im Unbewußten und dienen dazu, die Zellen immer aufnahmefähiger zu machen und für die neue Kraft vorzubereiten. Als ich das studierte, kam deine Erfahrung des Konzentrationslagers, und ich sah, daß eine gewisse Anzahl deiner Zellen die einleitende Erfahrung des Todes durchgemacht hatten – eine beachtliche Anzahl Zellen, teils im Gehirn, teils im Zentrum des Halses und teils hier (Geste in Brusthöhe).

Das verleiht ihnen eine besondere Bewußtseinsqualität.

Vielleicht ist es das, was dich an den Tod denken ließ? Du sagst aber, daß dies schon lange so ist. Bei mir kam es erst vor kurzem (vielleicht seit zehn Tagen), meine Studie läuft erst seit kurzem. Es war sehr interessant... Ich sehe sie auch jetzt noch so, als ob sie in bestimmten Teilen deines Körpers lokalisiert wären.

Dies ist aber eine günstige Beobachtung, keine gefährliche!

Inwiefern günstig?

Oh, günstig in dem Sinne, daß diese Zellen viel bewußter sind, als es sonst der Fall ist.

Aufgrund der Tatsache, daß ich diese Erfahrung hatte?

Ja, diese Erfahrung durchgemacht und überlebt zu haben –, daß die Form diese Erfahrung überlebte.

Im Hinblick auf die Empfänglichkeit nach oben ist dies von großer Bedeutung – ich meine für die Empfänglichkeit der neuen Kräfte, als Vorbereitung, um die neuen Kräfte zu empfangen.

(Schweigen)

Die Dinge sind aber ziemlich komplex... In seinem gewöhnlichen Bewußtsein empfindet sich der Körper dann als normal, wenn er nicht merkt, daß er lebt; solange der Körper sich nicht leben fühlt, bedeutet das, daß er normal funktioniert; erst wenn irgend etwas nicht völlig normal ist, fühlt instinktiv ein Teil seiner selbst, daß er lebt, und... ich meine nicht das vitale oder mentale Bewußtsein, sondern sein primäres Bewußtsein, das sich sorgt, weil etwas nicht normal ist (was es "normal" nennt); diese Art Besorgnis (die sich nicht in Gedanken ausdrückt) bringt ihn mit einer ganzen Welt von feindlichen, mut- und hoffnungslosen Suggestionen in Verbindung – ach, die menschlichen Leben schwimmen geradezu in einer INTENSIVEN Atmosphäre pessimistischer, hoffnungsloser, feindlicher Suggestionen. Sogar hier ist das sehr stark – ich meine im Ashram –, sehr stark. Sensible Leute, deren Bewußtsein nicht sehr solide im Glauben verankert ist, werden sehr... (wie soll ich sagen?) sehr tiefgreifend... nicht tiefgreifend, sondern im Innersten von dieser Atmosphäre angegriffen.

Körperlich verursacht das bei ihnen ein akutes Unwohlsein.

(Schweigen)

Ich werde nochmals schauen 3, ja, für dich scheint dies eher eine Zeit oder ein Stadium in deiner integralen Entwicklung zu sein, die dich mit dem Tod in Verbindung bringt. Dies ist eine unpersönliche Sache, und ich sehe nichts Bedrohliches daran, das heißt, ich betrachte es nicht als Vorahnung – abgesehen davon, daß der Tod überall auf der Welt ist! Darauf läuft es hinaus.

Das ist alles, mein Kind.

Vielleicht ist dies so, weil in dir eine interessante Arbeit vor sich geht.

Ich habe den Eindruck... Wenn du mich fragst, so ist das Gegenteil wahr: ich bin nämlich gerade dabei, ein neues Leben für dich vorzubereiten.

Man muß... ich halte es nicht einmal für nötig, dir das zu sagen: man muß sein Bewußtsein unerschütterlich auf etwas ausrichten, was eben nicht persönlich ist – auf die neue Verwirklichung.

Wenn du diese entmutigenden Schwingungen spürst, muß du wissen, daß die Dinge gegenwärtig eine Schlacht, ein sehr aktives Handlungsfeld sind. Der Kampf im Innern spielt sich in jeder Minute ab – ständig, ständig... Ich erwarte nicht, daß die anderen ihn zusammen mit mir austragen; allerdings sollten sie ihren Teil dazu beitragen, indem sie sich nur an das halten, was SEIN SOLL – mehr nicht.

 

1 Was haben Sie Gott gegeben oder für Ihn getan, daß Sie mich bitten, etwas für Sie zu tun? Ich tue nur das Werk Gottes.

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2 Ein Jahr später kommt tatsächlich der physische Schlag, an dem Satprem fast gestorben wäre.

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3 In okkulter Hinsicht, ob für Satprem wirklich eine Gefahr besteht.

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