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Mutters

Agenda

siebenten Band

26. Oktober 1966

Hat Sujata dir erzählt, daß ich gestern gespielt habe? Ich habe die Orgel ausprobiert, und es war sehr unterhaltsam: Sobald ich mich hingesetzt hatte, kam etwas in meine Hände, etwas, das Musik LIEBTE, und es kam so leicht und sanft und intensiv; mit einem Schlag fanden meine Hände ihre frühere Fertigkeit wieder – die ganze Hälfte meines Armes wurde von einem kleinen Wesen eingenommen. Das war wirklich schön, es klang ganz kindlich. Wirklich bezaubernd.

Es war das erste Mal, daß es so total war: es waren überhaupt nicht mehr meine Hände, nicht im geringsten. Ich weiß nicht, ob es am 30. [Satprems Geburtstag] auch so sein wird.

*
*   *

Etwas später

Ich möchte dir etwas zeigen. Du weißt, daß ich neulich auf den Balkon gegangen bin, ins grelle Sonnenlicht; das hat meine Erscheinung völlig verändert (Mutter sucht nach einer Reihe Fotos). Ich muß sagen, daß ich mich ganz anders fühlte als sonst, wenn ich nach unten gehe. Ich war absolut anders. Ich sage nichts, du wirst sehen...

(Mutter reicht Satprem die Fotos)

Ich sehe wie jemand anders aus.

O ja, das ist merkwürdig, das sieht gar nicht aus wie du.

Angeblich sieht das aus wie ich.

Aber ich sehe aus wie ein Mann, oder?

Ja, es hat etwas Maskulines an sich, vor allem dieses hier.

Ja, ich sehe aus wie ein Mann.

Jemand anderer war da – allerdings sind immer andere Wesen da, man weiß es nur nicht. Immer wieder kommen andere Wesen (Mutter zeichnet einen Kreis um ihren Kopf): alte, neue, zukünftige, die ganze Zeit. Sehr merkwürdig. Und das Foto fängt das ein.

Ja, auf diesem hier ist es ganz auffällig; auf den anderen ist es weniger markant.

Es ist jemand, den ich kenne, ich kann ihn allerdings nicht mit einem Namen verbinden. Ich wirke wie ein alter Gelehrter, findest du nicht? Merkwürdig (Mutter betrachtet weiterhin das Foto). Etwas Seltsames: eine Art sehr tiefes Wissen, das aus der Beobachtung entspringt (bei der Persönlichkeit auf dem Foto), aber ich kann nicht erkennen, aus welchem Land und aus welcher Epoche.

Es gibt bestimmte Bewußtseinszustände, die sich in bestimmten Augenblicken in bestimmten Individuen präzisiert und besonders deutlich ausgedrückt haben – es ist nicht das ganze Individuum und nicht sein ganzes Leben, das nicht, sondern gewisse Bewußtseinszustände, die in einem bestimmten Augenblick den Höhepunkt ihrer Entwicklung und Intensität erreicht haben. Und dann kommt dies alles ständig wieder wie bei einem großen Karussell (Mutter zeichnet einen Kreis um ihren Kopf und um sich herum), durch alle Zeiten und Länder hindurch. Und das Foto fängt das ein. Wenn ich es dann zu sehen bekomme, habe ich den Eindruck, überhaupt nicht diese Persönlichkeit (Mutter) zu sehen, sondern jemanden, den ich sehr gut kannte: "Aber ja doch, das bist du!" Aber ich kann ihn nicht mit einem Namen in Verbindung bringen.

Ja, es ist wie ein Karussell aller Zeitpunkte, in denen sich das Bewußtsein in Menschen manifestiert hat. Sehr interessant. Der Körper wird jetzt sehr unpersönlich.

Ich hatte mit dir eine seltsame Erfahrung... Ich habe nie Visionen mit offenen Augen, aber einmal vor vielen Jahren – das hat mich sehr beeindruckt – hast du mir unten eine Geschichte über Katzen erzählt, und du sprachst vom "Katzenkönig", den du getroffen hattest, den Genius der Rasse – und dein Gesicht war wie das einer Katze, wirklich außergewöhnlich! Eine Super-Katze, die da vor mir saß! Und dabei habe ich nie Visionen, absolut nicht, aber diese war offen sichtbar. Das hat mich damals sehr beeindruckt. Es war etwas ganz Besonderes.

Der Körper hatte sein Erscheinungsbild geändert.

Ja, dein ganzes Gesicht sah anders aus. Und ich bin sicher, ein Foto hätte das gezeigt, denn es war keine Vision.

Ja, das sind Dinge, die die Fotografie einfängt. Sie ist sehr empfindlich.

Merkwürdig.

Einmal, auf dem Balkon, da war ich Buddha, absolut! Es dauerte ein oder zwei Minuten, und viele Leute sagten mir: "Oh, Sie waren Buddha!" Hätte man ein Foto gemacht, so wäre es sichtbar gewesen.

Die ganze Zeit geht das so, wie eine Art Menschenkarussell (dieselbe kreisförmige Geste): Menschen, die unaufhörlich kommen, sich manifestieren und vorüberziehen. Schon mehrere Male kamen sie mir hinterher auf den Fotos bekannt vor.

Und dieses hier (Mutter betrachtet noch einmal das Foto) ist ein Mann, ich bin sicher, es ist ein Mann, und wenn es kein "anerkannter" Wissenschaftler war, so doch jemand, der ein Wissen und eine sehr persönliche und scharfe Beobachtungsgabe der Dinge besaß. Und es ist der Augenblick, in dem dieses Bewußtsein der Beobachtung auf seinem Höhepunkt war. Genau dies wurde auf dem Foto eingefangen; eine Minute später wäre es nicht mehr dagewesen. Er ist fast im Begriff, etwas zu sagen (Mutter zeigt Satprem das Foto): schau, der Mund. Sehr merkwürdig.

Lustig.

In dieser Hinsicht wird der Körper völlig unpersönlich. Wie mit meinen Händen gestern, es war noch nie so spontan und so vollständig – ich kann nicht sagen, daß ich keine Hände mehr hatte, denn es gab kein "Ich" mehr. Dies spielt sich folgendermaßen ab: Etwas kommt (etwas von einem Menschen: eine Idee, eine Kraft, eine Bewegung, ein Ausdruck), und paff, wird es zu dem (Mutters Körper oder in diesem Fall ihre Hände). Es war sehr fröhlich und heiter: ein fröhlicher Charme, sehr jung. Eine halbe Stunde vorher wußte ich noch nicht, daß ich spielen würde; es kam einfach so. Und es ging nicht darum zu "spielen", es war nichts Ernstes oder Wichtiges daran, nur etwas ganz Junges und Tanzfreudiges.

Dies ist ein Phänomen, das sich konkretisiert. Alle möglichen... es sind nicht Menschen, sondern Bewußtseinszustände, die sich einst ganz präzise im Leben von allen möglichen Menschen ausgedrückt oder vielleicht sogar gebildet haben. Manche davon sind mir gut bekannt: ich habe sie oft gesehen, sie kamen oft wieder und sind mir sehr vertraut; ich kann sie benennen. Aber diese Bewußtseinszustände waren nicht ausschließlich in dieser oder jener Person, sondern in vielen Menschen und Epochen.

Dies passiert immer häufiger. Ich glaube, es geschieht, um das Zellaggregat flexibel zu machen und ihm eine Geschmeidigkeit zu verleihen.

(Schweigen)

Sri Aurobindo hat irgendwo geschrieben, ich weiß nicht mehr, in welchem Zusammenhang, daß man in einem bestimmten Bewußtseinszustand die Macht habe, die Vergangenheit zu verändern. Das hat mich damals sehr beeindruckt.

Diese Erfahrung hatte ich nämlich mehrere Male. Und jetzt, durch diese ganze Arbeit, verstehe ich das besser. Was sich zu verewigen oder zu bewahren scheint, sind ja nicht die Individuen, sondern Bewußtseinszustände. Und diese Bewußtseinszustände manifestieren sich durch viele Individuen und viele verschiedene Leben und bewegen sich progressiv auf eine immer leuchtendere Vollkommenheit zu. Jetzt gerade kommen der Reihe nach alle möglichen "Kategorien" von Bewußtseinszuständen, um mit der Wahrheit, dem Licht, dem vollkommenen Bewußtsein in Kontakt gebracht zu werden, und gleichzeitig haben sie eine Art Prägung behalten – wie eine Erinnerung an die Zeitpunkte, in denen sie sich manifestierten.

Eine bedeutende Arbeit für die Transformation der materiellen Bewußtseinszustände ist im Gange – jene Bewußtseinszustände, die am nächsten beim Unbewußten liegen, die materiellsten Bewußtseinszustände. Sie kommen (um sich Mutter zu präsentieren) mit ein oder zwei Beispielen ihrer vergangenen Manifestation (vielleicht sogar ihrem ersten Emporsteigen aus dem Unbewußten), und dann sehe ich den Übergang zusammen mit dem, was sie in aufeinanderfolgenden Manifestationen transformiert, verändert oder auch nur beeinflußt hat, und wie sie nunmehr dem höchsten Bewußtsein präsentiert und der endgültigen Transformation unterworfen werden. Das ist eine beinahe ständige Arbeit, denn – und das ist interessant – es ist eine Arbeit, die ich weiterverfolgen kann, auch wenn ich Leute empfange. Früher wurde meine Arbeit unterbrochen, wenn ich Leute sah, weil ich mich mit ihnen beschäftigte, und das schmälerte und begrenzte die Arbeit: sie repräsentierten eine kleine Anhäufung von Schwierigkeiten, die das Wirken (von Mutter) enorm einengten. Doch jetzt ist dies nicht mehr so. Interessant dabei ist, daß die Leute der einen oder anderen "Transformationsphase" des Bewußtseins angehören. Seit einiger Zeit sehe ich eine beträchtliche Anzahl von Besuchern, die zum ersten Mal kommen – mit den alten, bekannten gibt es keinerlei Schwierigkeiten, aber bei den neuen führte das im allgemeinen zu einer Einschränkung der Arbeit – doch jetzt, mit diesem "Studium" der Bewußtseinszustände, werden die Menschen hier oder dort eingeordnet (Mutter deutet verschiedene Ebenen des Raums an), und wenn sie empfänglich sind, müssen sie sich (nach dem Gespräch mit Mutter) mit einem neuen Impuls, sich zu transformieren, wieder auf den Weg machen. Diejenigen, die nicht empfänglich sind, gehen einfach daran vorbei, aber das spielt keine Rolle mehr: sie kommen und gehen. Und daran kann ich erkennen, in welchem Zustand sie sind – man kann das auch mit Fotos tun, aber wenn ich die Leute sehe, ist es viel vollständiger. Fotos stellen immer nur einen bestimmten Augenblick ihres Wesens dar, hier aber ist sogar das, was sich gerade nicht manifestiert, zugegen, im Hintergrund verborgen, und kann gesehen werden. Sehr interessant. Dadurch wird die ganze Bürde mit den Besuchern zu etwas Interessantem.

 

 

 

 

 

 

 

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