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Mutters

Agenda

neunten Band

4. September 1968

(Mutter ließ Nolini rufen, um ihn zu fragen, was er von dem Gespräch vom 28. August halte und ob er es für richtig erachte, es in den "Notizen auf dem Weg" zu veröffentlichen:)

(Zu Nolini:) Haben Sie es gelesen? Was halten Sie davon?

(Nolini:) Zunächst habe ich bei dem Gedanken an eine Veröffentlichung gezögert, dann dachte ich: "Wenn es auf andere dieselbe Wirkung hat wie auf mich, dann wird es hilfreich sein."

(Mutter lacht) Ich habe nichts dazu zu sagen... All dies ist Teil der Erziehung dieses armen kleinen Körpers. Reizend!

(Nolini:) So werden wir es veröffentlichen?

(Satprem:) Wir könnten auch Pavitra fragen.

Pavitra wird sagen: "Was immer Mutter sagt"...

Ich finde es vor allem sehr nützlich. Diejenigen, die mißverstehen, werden auf alle Fälle mißverstehen.

Oh, sie mißverstehen bereits!

(Nolini verläßt den Raum)

*
*   *

Hast du nichts zu sagen?

Geht es dir besser, liebe Mutter?

Dieser arme Körper folgt einer Disziplin... vom medizinischen Standpunkt aus glaube ich, daß es gut geht, ich weiß es nicht (!) Das heißt, ich huste nicht mehr, ich...

Es fällt mir noch immer schwer zu sprechen.

Es fällt schwer, und außerdem erscheint es so unnötig...

(langes Schweigen)

Seit zwei oder drei Nächten, auch letzte Nacht noch, war Sri Aurobindo lange anwesend; vor zwei Tagen war er mindestens zwei Stunden lang da. Er war gekommen, weil jemand etwas organisieren wollte (jemand mit großer Autorität), und ich wollte, daß Sri Aurobindo ihm erkläre, wie das zu tun sei. Der Betreffende war ein Europäer (ein Europäer oder Amerikaner, ich weiß es nicht, aber er schien eher europäisch zu sein), sehr groß, mit breiten Schultern. Ich kenne ihn nicht. Ein Mann zwischen vierzig und fünfzig, glaube ich... Wie sieht Monsignore R aus?

Er ist ein sehr kräftiger Mann, eher untersetzt, eine breite Stirn, die untere Gesichtshälfte recht sinnlich.

Ja, ich habe das Foto gesehen.

Gestern in der Nacht kam Sri Aurobindo wieder. Er blieb eine längere Weile.

Jetzt sind die Visionen so konkret, daß sie beinahe materiell wirken – es handelt sich nicht um "Visionen", sondern es ist das Leben in einem bestimmten Zeitabschnitt. Und dies in einem Bereich, in den ich vorher noch keinen Einblick hatte. 1 Sehr konkret und präzise, und der Übergang zwischen diesem Zustand und dem Wachzustand ist beinahe unmerklich. Es handelt sich dabei nicht um eine Umkehr des Bewußtseins wie gewöhnlich: es ist beinahe unmerklich, wie miteinander verwoben (Mutter greift mit den Fingern ihrer rechten Hand zwischen die ihrer linken, um die gegenseitige Durchdringung der beiden Welten anzuzeigen).

Dort sehe ich allerlei Leute, die ich im allgemeinen sonst nicht sehe. Zum Beispiel träumte ich nie von P, nachts sah ich ihn nie; und nun sehe ich ihn sehr häufig, aber... (wie soll ich sagen?) es gibt nur eine kleine Veränderung (gleiche Geste der Verflechtung der Finger beider Hände), es ist sehr... es handelt sich überhaupt nicht um denselben Bereich. Auch M sah ich z.B. nachts überhaupt nicht; und letzte Nacht sah ich ihn lange – ich fragte ihn Dinge, er antwortete mir, wir unterhielten uns... es war völlig konkret.

Die Umgebung ist jedoch nicht dieselbe. Es handelt sich um eine SEHR vertraute Umgebung: ich habe nicht den Eindruck, mich an einem fremden Ort zu befinden; es ist eher ein Ort, wo ich mich, wenn nicht andauernd, so doch wenigstens täglich aufhalte und wo es bestimmte Gewohnheiten gibt... Wirklich sehr seltsam, es handelt sich um einen Bereich, den ich früher nicht bewußt besuchte, und er ist überaus nahe (die gleiche Geste).

Letzte Nacht, als Sri Aurobindo kam, brachte ich ihm eine große Zeichnung, etwa so groß, eine Zeichnung mit Beschriftung, und ich sagte ihm: "Sieh, gerade wollte ich dir zeigen, wie interessant und amüsant dies ist!" Und es war... Als ich erwachte, wußte ich nichts mehr davon. Es schien, als bestehe dort ein ganzes LEBEN – ein Leben und eine Tätigkeit, die sich entwickeln und uns ganz nahe sind. Es muß sich um das Subtilphysische handeln, es ist ganz nahe. Sehr konkret, überhaupt nicht in der Art von Traumeindrücken. Vollkommen konkret, mit allen Empfindungen. Und von einer Kontinuität: es hält selbst dann noch an, wenn ich mir dessen nicht mehr bewußt bin, und wenn ich dann wieder bewußt hinkomme, geht es weiter: ich werde mir des Lebens dort zu einem "späteren" Zeitpunkt wieder bewußt, und es hat sich in der Zwischenzeit verändert.

Es macht den Eindruck eines materiellen Bereichs (d.h. physisch), wo das Bewußtsein intensiver ist – das Bewußtsein ist dort sehr klar und intensiv, und die Wahrnehmungen sind sehr intensiv.

Der Körper hat ganz und gar den Eindruck, eine Erziehung zu durchlaufen, Dinge zu lernen – nicht "Dinge" zu lernen: alles zu lernen.

Diese subtile Welt gleicht einer Wiederspiegelung der unsrigen, sie ist jedoch bewußter.

Das Licht dort ist sehr hell, die Formen sind sehr präzise.

(Schweigen)

Vor drei oder vier Tagen ruhte ich mich nach dem Essen aus (ich ruhe mich ein wenig aus, bevor ich bade – ich schlafe sehr wenig: ich trete in ein inneres Bewußtsein ein, aber ich schlafe nicht). Dann erwachte ich und schickte mich an, aufzustehen und zum Badezimmer zu gehen – ich fühlte mich wie früher: ich ging allein und war im Gleichgewicht. Ganz spontan, ohne darüber nachzudenken. Das wurde aber wieder zurückgezogen (Geste, als käme jemand, um Mutter diese Kraft wegzunehmen). Also vermutete ich, daß während des Schlafs ein Teil des Vitalwesens (lachend) zurückgekommen war, und aus dem Grund begann ich natürlich, wieder zu Kräften zu kommen!... Dies wurde wieder weggenommen.

Es ist eine eigentliche Erziehung für den Körper: Man bringt ihm bei, seinen Willen zu gebrauchen – die wahre Art zu sein und zu wollen. Über der ganzen materiellen Schöpfung liegt wie ein Gewebe von bösem Willen (die Erde bedeckende und einhüllende Geste) – man könnte es "katastrophisch" nennen. Eine Art Netz, ja, ein defätistisches Netz – defätistisch und katastrophal –, wo man mit allem, was man tun möchte, keinen Erfolg hat, wo alle möglichen Unfälle passieren, alle möglichen bösen Willenskräfte eingreifen. Wie ein Netz. Und jetzt bringt man dem Körper bei, aus diesem Netz zu treten.

Und dies wie vermischt mit der sich verwirklichenden und ausdrükkenden Kraft; wie etwas, das der materiellen Schöpfung beigemengt ist. Und man bringt dem Körper bei, sich davon zu befreien. Es ist jedoch schwierig, sehr schwierig.

Dieses Netz ist die Ursache aller Krankheiten und Unfälle – der Grund für alle zerstörerischen Dinge.

Es besteht die ganze Zeit über – die ganze Zeit (gleiche einhüllende Geste).

Und es ist sehr innig mit dem Körper vermengt. Es läßt sich noch nicht deutlich abtrennen.

So verläuft mein Leben jetzt. Dabei vergehen Stunden, in denen ich keine Ahnung habe, was außen vorgeht.

 

1 Und in welchen anderen Bereich hatte Mutter vorher keinen Einblick als in den zellularen?

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