SITE OF SRI AUROBINDO'S & MOTHER'S  YOGA
      
Home Page | 10 Bande

Mutters

Agenda

zehnten Band

1. Januar 1969

Der Menschenandrang hier wird immer schlimmer. Dabei kann ich nicht einmal die Hälfte der Leute empfangen, die mich darum bitten.

Ich fing um 8 Uhr an... ohne Unterbrechung.

Das ist nicht gut.

Sicherlich ist es nicht einmal die Hälfte der Anfragen.

Natürlich muß man eine Grenze setzen, sonst wird es wieder so wie früher. Eine Zeitlang blieben mir nur noch zwei Stunden Schlaf, und ich tat bloß so, als könnte ich essen, aber... Eine Zeitlang kann man dies tun, aber nicht allzulange.

Das Anstrengende ist nicht die eigentliche physische Arbeit sondern das, was die Menschen hinzufügen. Bei manchen Leuten scheint nach fünf Minuten alles auseinanderzubrechen, bei anderen geht es gut. Am meisten ermüdet mich gerade ihre "unwissende Fürsorge": sie sind so sehr darauf bedacht, mich "nicht zu ermüden", dies und jenes – das ist sehr bedrückend. Sonst, wenn die Leute ruhig und aufnahmefähig sind, ist es überhaupt nicht ermüdend, ganz und gar nicht.

Aber die medizinische Atmosphäre ist gefährlich – SEHR gefährlich.

(Schweigen)

Hast du Neuigkeiten von P.L. 1?

Er ist ganz plötzlich abgereist.

Wieviel Uhr ist es?

Viertel nach elf.

Wollen wir zehn Minuten schweigend verbringen?

(Meditation)

Das letzte Mal erzählte ich dir von dieser "krankhaften Vorstellungskraft" des Körpers – vollkommen verschwunden, fertig, gereinigt! Sobald der Körper dagegen reagierte, indem er sagte: "Nein, das ist ekelhaft, was soll denn das überhaupt!" – verschwunden. Dies ist eben das Bemerkenswerte am Körper: vital und mental muß man die Dinge immer wieder machen, damit die Erfahrung Fuß faßt. Beim Körper erfolgt die Öffnung weniger schnell, aber wenn er einmal verstanden hat oder die ausschlaggebende Erfahrung hat, ist es geschafft, die Sache ist fest verankert. Das ist wirklich bemerkenswert. Und er ist sehr ruhig. Wenn dann gewisse Probleme wiederkehren wollen (selbst in einem gewissen Abstand, nur an der Peripherie), sagt er: "Oh, nein! Nein, das will ich nicht mehr, das gehört der Vergangenheit an."

Aus dieser Erfahrung zu schließen, stammt die große Mehrzahl der Krankheiten und der körperlichen Störungen vom Einfluß des Vitals und des Mentals.

(Schweigen)

Kürzlich erhielt ich einen Brief, ich weiß nicht mehr von wem und woher, aber von jemandem aus Europa, der mein Vitalwesen sah, und eine andere Person sah mein mentales Wesen. Du weißt, daß sie weggeschickt worden sind (sie setzen ihre Arbeit fort und besuchen Leute, reisen umher...). Sie sah es in der mir bekannten Form. Das überraschte mich, denn meistens verändern die Leute die Erscheinung gemäß ihrer Auffassung. Sie sah mich und wußte, daß ich es war, und zwar in Gestalt eines großen Kriegers – in einem altertümlichen Gewand, mit einer Hellebarde in der Hand.

Dies geschah zum ersten Mal.

Ja, ich weiß, wer es ist. Sie erzählte es mir, ich traf sie. Sie ist Italienerin, sie hat außerordentliche Visionen von dir, sie berichtet mir oft außergewöhnliche Dinge. Sie lebt in solch inniger Weise in dir... Ich habe noch nie jemanden so sehr in dir leben gesehen.

Sieh an!... Ist sie noch hier?

Sie kam vor fünfzehn Tagen an. Sie heißt F.

Ach, F... Eine Zeitlang konnte sie physisch nicht mehr sehen, und dadurch hat sich ihre innere Schau entwickelt.

Sie sagte: Ein diamantener Krieger.

Ja, das ist richtig. Oh, er besitzt eine außerordentliche Kraft in der vitalen Sphäre. Das sah ich seit meiner Kindheit – ich merkte dies, ohne äußerlich etwas davon zu wissen, bevor man es mir sagte. Ich sah ihn SICH SELBST ÜBERLASSEN, das heißt ohne die Intervention von Ideen und alldem... Seltsam! Und er ist unbesiegbar... (wie soll ich sagen?) er kann durch nichts behindert werden: er empfängt nicht von außen sondern nur vom psychischen Bewußtsein oder direkt vom höchsten Bewußtsein.

Jetzt ist er auf Wanderschaft! (Mutter lacht)

Diese beiden – das Vital und das Mental – kümmern sich sehr wenig um das Wohlergehen des Körpers: er ist nur ein Instrument, dessen man sich bedient, und ansonsten hat er einfach zu gehorchen. Der Körper fühlt sich jetzt viel freier als vorher. Dies ist einer der Gründe für ihre Entlassung, nicht nur, um schneller voranzuschreiten – wir sagten ja, es sei zur Beschleunigung der Arbeit geschehen, aber es geht nicht nur darum, sondern auch, weil der Körper sich selbst überlassen eine viel größere praktische Vernunft hat... Ich weiß nicht, wie ich das ausdrükken soll. Eine außerordentliche STABILITÄT.

Das einzige etwas Morbide an ihm war dieses physische Mental, das Mental des Körpers, von dem Sri Aurobindo meinte, es ließe sich unmöglich ändern – es war sehr hartnäckig, aber du siehst: Genau dies vollbringt jetzt die Arbeit, die Änderung dieses Mentals. Es hatte die Angewohnheit dieser Vorstellungen, und nun ist das vorbei, das heißt, es ist so (Mutter senkt ihre Hände in einer bezwingenden Geste), er hat es gemeistert.

Er hat interessante Fähigkeiten... Sehr geduldig, sehr geduldig. Sehr steady [beständig].

(die Uhr schlägt)

Oh, es gäbe eine Fülle von Dingen zu erzählen, aber wir werden später sehen (Mutter sieht auf die Uhr, die unter einem Berg Briefe versteckt ist, auf die sie zwei "Prosperity"-Blumen gelegt hat). Siehst du, jetzt verbirgt mir die "Prosperity" die Uhrzeit! (Mutter lacht)

Ein frohes Neues Jahr, mein Kind!

(Satprem legt seine Stirn auf Mutters Schoß)

Das war es... Nachts kam es langsam, und heute morgen beim Aufwachen war es wie ein goldener Sonnenaufgang, und die Atmosphäre war sehr leicht. Der Körper fühlte: "Sieh an, das ist wirklich... das ist wirklich neu!" Ein goldenes Licht, leicht und... wohlwollend. Wohlwollend im Sinne einer Gewißheit – eine harmonische Gewißheit 2 .

Das war neu.

Und wenn ich den Leuten ein "Gutes Neues Jahr" wünsche, vermittle ich ihnen das. Heute morgen verbrachte ich die ganze Zeit damit, spontan zu sagen: "Ein gutes Neues Jahr, ein gutes Neues Jahr ..."

 

1 Der Schüler aus dem Vatikan.

Rückwärts zum Text

2 Dieses Jahr 1969 wird einerseits von einer allgemeinen Beruhigung in den internationalen Beziehungen geprägt sein (seit dem Zweiten Weltkrieg gab es nur selten ein so "friedliches" Jahr), aber auch durch ein Aufwallen einer allgemeinen Flut von bösem Willen und Düsternis in Mutters Umgebung, als sei hier das Ventil. In diesem Jahr wird "die Hast in den Ashramiten, daß es ein Ende habe" sich beschleunigen, wie Mutter bald berichtet. 1969 ist die düstere und gleichzeitig leuchtende Wende.

Rückwärts zum Text

 

 

 

 

 

 

 

in French

in English