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Mutters

Agenda

elften Band

27. Mai 1970

Ich glaube, daß der Druck dieses Bewußtseins wirkt, aber eine Menge Leute streiten sich in den Abteilungen und vor allem in der Druckerei. Deshalb habe ich etwas geschrieben:

(Mutter überreicht eine Notiz)

"Ihr scheint zu vergessen, daß ihr durch die Tatsache, daß ihr im Ashram lebt, weder für euch selbst noch für einen Arbeitgeber arbeitet, sondern für das Göttliche. Euer Leben soll dem Göttlichen Werk geweiht sein und darf nicht von kleinen menschlichen Erwägungen bestimmt werden."

Möchtest du das veröffentlichen oder ans Anschlagbrett hängen?

Das wäre vielleicht zu öffentlich...

Man könnte... Das gilt vor allem der Druckerei, deshalb wäre es amüsant, ihnen dies zu geben... (lachend) und sie zu bitten, das auf kleinen Karten zu drucken.

(Schweigen)

Abgesehen davon habe ich nichts... "Träume" – keine Träume: die nächtlichen Aktivitäten sind sehr klar, sehr interessant geworden, aber manchmal ist es ein symbolischer Traum. Und das ist so konkret und real... Früher hatte ich nie solche Träume. Das ist sehr lehrreich.

Aber da ist ein Phänomen. Es ist eine Welt (diese symbolische Welt), in der es keinen Unterschied zwischen den Lebenden und den Toten gibt. Ich meine damit, es gab nicht einmal einen spürbaren Unterschied. Letzte Nacht zum Beispiel war ich dort in eine Tätigkeit verwickelt; Amrita war da [der verstorbene Schatzmeister des Ashrams], zusammen mit einigen lebenden Personen. Er war genau wie alle anderen. Er wirkte nur ein wenig... (müde und apathische Geste), aber das mußte an seinem Wesen liegen: keine Lust einzugreifen.

Die Erfahrung symbolisierte Tätigkeiten in bezug auf das Geld. In diesem Fall war es Nahrung statt Geld, aber es ging ganz offensichtlich um die Handhabung des Geldes: die verschiedenen Haltungen der Menschen, der Empfang und die Verwendung usw., mit sehr interessanten und genauen Einzelheiten (interessant vom Standpunkt des Handelns aus gesehen: was getan wird und wie es getan wird).

Befindet sich dieser Ort, wo die Lebenden mit den Toten zusammen sind, im Subtilphysischen?

Ja.

Wird die Entwicklung im Sinne einer Materialisierung des Subtilphysischen verlaufen?

Nein. Das kann sich nicht materialisieren, das wäre unmöglich... Ich glaube, das Subtilphysische stellt eine Handlungsmöglichkeit dar, das heißt, es gehorcht dem Willen klarer und machtvoller. Es scheint empfänglicher zu sein. Es ist anpassungsfähiger und auch ausdrucksvoller. Aber materialisiert würde das wie ein reines Chaos aussehen.

Dies scheint der symbolische Ort des physischen Lebens zu sein. Zum Beispiel kann man dort auf kleinem Raum eine sehr ausgedehnte Aktion unternehmen, die weit in die Ferne reicht... In aneinandergrenzenden Zimmern befanden sich z.B. Leute, die sehr weit weg voneinander wohnten, im Norden Indiens oder in einem anderen Land oder... Sie waren in verschiedenen Zimmern, doch ich konnte von einem Zimmer ins andere gehen. Es glich... (Mutter macht eine Geste, die eine Konzentration oder ein eingegrenztes Feld andeutet). Die Tätigkeiten dort haben nicht die gleiche konkrete Realität, sie sind symbolischer Art.

Zum Beispiel wurde das Geld durch eine gewisse Nahrung symbolisiert – tatsächlich waren es Spargeln, aber keine Spargeln, wie wir sie hier haben, sondern so große (ungefähr 50 cm) –, und man konnte darüber verfügen, sie nehmen und anrichten, als ob man Speisen anrichtete, und man nahm sie nicht in den Mund (all dies ist symbolisch).

Das, was sich hier von dort manifestieren würde, wäre also nicht jene Welt sondern eher ihr spezieller Bewußtseinszustand?

Vielleicht, ja... Der gegenwärtige Versuch besteht darin, einen stärkeren und direkteren Einfluß auf die rein materiellen Umstände zu erlangen... Ja, das ist es: Der Einfluß des Subtilphysischen hat eine Wirkung in der materiellen Welt, sogar unter den wirkenden Gesetzen der materiellen Welt.

Dies spielte sich inmitten von vielen anderen Dingen ab (es hielt lange an, und es war eine sehr komplexe Angelegenheit), aber als Beispiel inmitten von anderen Dingen ging es um die heute noch spürbaren Folgen gewisser Dinge, die Amrita tat, als er hier war und sich um das Geld kümmerte. Aber ich sprach mit ihm und ordnete die Dinge so an, als sei er noch anwesend und nicht bereits gegangen.

(langes Schweigen)

Hast du nichts zu fragen?

Ja, vor ein paar Tagen fragte ich dich, wie man Zugang zum Subtilphysischen bekommen könne. Nach dem, was du jetzt sagst, erreicht man diese Welt in gewisser Weise durch Aktivitäten der Arbeit... Ist es eine Welt der Arbeit 1?

In dieser einen Erfahrung: ja. Ich müßte aber erst weitere verschiedene Dinge sehen, um eine Regel aufstellen zu können – ich weiß nicht. Letzte Nacht war es so, das ist alles, was ich sagen kann.

Vielleicht werde ich nach einiger Zeit etwas sagen können, aber erst muß ich Vergleiche zwischen verschiedenen Dingen anstellen können.

(Schweigen)

Verstehst du, das sind ganz kleine Dinge, die als Symbolik amüsant sind. Zum Beispiel diese Nahrung, die wie Spargeln aussah, aber keine Spargeln war – sie kamen in großen Mengen, und ich verteilte sie, aß aber nie selber etwas davon: ich gab sie den anderen. Sie aßen: jene, die das Geld ausgaben, es benutzten und der Meinung waren, daß dieses Geld ihnen gehörte, aßen davon... Und es gab Dinge, die nicht sehr appetitlich aussahen, und andere schienen köstlich zu sein. (Mutter lacht)

(langes Schweigen)

Hast du noch etwas?

Es geht um etwas Praktisches. In einer Agenda sprachst du vor einiger Zeit [am 3. Januar] vom Übermental und vom Supramental, und ich habe den Eindruck, daß du ein- oder zweimal das eine Wort anstelle des anderen verwendet hast. Aber ich möchte ganz sicher sein... [Satprem holt den Text hervor] Am Anfang sprichst du von einer neuen Art der Wahrnehmung, die alle Sinnesorgane vereint: eine Art totaler Wahrnehmung, die das Hör–, das Sehvermögen usw. verbindet. Und du sagst:

All dies ist sicher das Bewußtsein, das Sri Aurobindo... [hier sagtest du das "Übermental", aber ich glaube, es ist das Supramental]... das Supramental nannte, das Wesen, das nach dem Mensch kommen wird...

Ja, es ist das "Supramental".

...Wie wird es sein? Ich habe es noch nicht gesehen... Den Übermenschen, das Übergangswesen habe ich gesehen, aber man fühlt doch recht deutlich, daß es noch ein Übergangswesen ist. Wie wird dieses Wesen sein, das nach dem Menschen kommt?... Ich weiß es nicht...

Seitdem hatte ich eine Vision, in der ich meinen eigenen Körper sah 2 .

Aber war das dein supramentaler oder dein übermenschlicher Körper?

Oh, nein! Er war nicht übermenschlich.

Er war supramental?

Ja, er war ganz und gar nicht übermenschlich... Und ich sehe keine Möglichkeit, wie dies (Mutter zwickt die Haut ihrer Hände) sich in DAS verwandeln könnte. Dazwischen muß es etwas anderes geben. Das heißt, daß ich nicht sehe, wie das (Mutter deutet auf ihren Körper) materiell zu dem werden kann, was ich sah.

Aber sah ich in jener Nacht nicht zwei Dinge?

Ja, du hast jemanden getötet.

Ach, ja... und der übrigens nicht starb! (Mutter lacht)

Das war, um die Lüge der Illusion des Todes zu veranschaulichen. Und die andere Vision verdeutlichte die Geschlechtslosigkeit.

Ja.

Dann fährst du fort [Satprem nimmt den Text wieder auf], und da ist auch eine Zweideutigkeit:

Wie wird dieses Wesen sein, das auf den Menschen folgen wird?... Ich weiß es nicht. Denn wir sind noch viel zu menschlich. Sobald wir eine Form des Höchsten Bewußtseins, des Höchsten Wesens usw. sehen – den Höchsten –, neigen wir dazu, ihm eine menschenähnliche Form zu geben, doch das ist nur unsere alte Gewohnheit... Ich habe dieses Wesen gesehen...

Sprichst du hier vom supramentalen Wesen oder vom Übergangswesen zwischen dem Menschen und dem Supramental?... Du sagst:

Ich habe dieses Wesen gesehen – vor vielen Jahren –, es war offensichtlich eine viel harmonischere Form als die menschliche Form...

Das weiß ich nicht, denn es war vorher: bevor ich Sri Aurobindo kannte. Ich sah es... Ich glaube, das war in Tlemcen. Damals kannte ich die Begriffe "Übermensch" und "Supramental" usw. noch nicht, ich gebrauchte diese Worte nicht. Deshalb weiß ich es nicht... Man sollte es mit etwas Unbestimmtem umschreiben...

Das Übergangswesen?

Ich weiß nicht.

Das nächste oder zukünftige Wesen?

Ja: "dieses zukünftige Wesen".

Ich habe dieses zukünftige Wesen vor vielen Jahren gesehen. Es war offensichtlich eine viel harmonischere und ausdrucksvollere Form als die menschliche, aber es ähnelte ihr, es war noch eine menschliche Form, d.h. ein Kopf und Arme und Beine usw.... Wird es das sein? Ich weiß es nicht. Zwangsläufig wird es als Übergangswesen in Erscheinung treten. Es gab alle diese Arten von Affen, die als Übergangswesen zwischen dem Tier und dem Menschen dienten... Aber die Leichtigkeit, die Unverwundbarkeit, die Fähigkeit, sich beliebig an jeden gewünschten Ort zu begeben und eine Leuchtkraft nach Belieben, all das ist klar...

Willst du damit sagen, daß dies Teil des Supramentals ist?

Ja, ja.

Und auch die Bekleidung nach Belieben: keine fremde, hinzugefügte Form, sondern die Substanz selbst nimmt gewisse Formen an.

Ja, das ist sehr wichtig, denn das habe ich EINDEUTIG gesehen. Die Substanz selbst nimmt mal die Form eines Kleidungsstücks, mal... (bewegliche Geste)

(Schweigen)

Der Unterschied zwischen Mensch und Übermensch wird also mehr ein Unterschied des Bewußtseins als ein materieller Unterschied sein?

(nach einem Schweigen)

Was die Form betrifft, scheint es so zu sein, aber ist das wegen unseres Unvermögens?

Natürlich gibt es das Beispiel des Übergangs vom Affen zum Menschen. Wenn zwischen diesem Wesen und dem Menschen ein ebensolcher Unterschied besteht...

Das wäre schon nicht schlecht!

Das wäre schon sehr viel.

Aber man kann sich vorstellen, daß ein höheres Bewußtsein diese materielle Substanz "verschönert", harmonischer gestaltet...

Ja.

Aber der Schritt danach ist schwerer verständlicher.

Ja.

Der große Unterschied wird in der Funktion der Organe und der Notwendigkeit der Organe liegen. Ein Wesen, das keine Lungen, kein Herz mehr benötigt... Dies würde einen ungeheuren Unterschied ausmachen.

Ja, dies scheint nur als Materialisierung möglich zu sein – nicht durch eine allmähliche Evolution.

(Mutter nickt)

Ich weiß überhaupt nichts.

Das einzige, was man sich in näherer Zukunft vorstellen könnte, wäre, daß die Menschen sich von reiner Luft ernähren könnten, so wie es Tiere gibt, die sich von Wasser ernähren. Gewisse Yogis ernährten sich nur von Luft.

Gibt es Tiere, die sich nur von Wasser ernähren?

Ich meine Tiere, die im Wasser leben.

Ja, sie leben im Wasser, aber sie nehmen Nahrung auf.

Nur Plankton: winzige Partikel, die sich im Wasser befinden... Es gab Yogis, die sich von reiner Luft ernähren konnten. Die alten Texte berichten von dieser Luftnahrung.

Das wäre sehr praktisch.

Aber ihre äußere Erscheinung kann nicht dieselbe bleiben.

Jedenfalls würde dies schon viele Probleme beseitigen... Das wäre durchaus vorstellbar.

Womit würde dies geformt? (Mutter deutet auf die Substanz des Körpers) Die anfängliche Bildung... Man kann sich vorstellen, daß die Abnutzung aufgehoben wäre und der Körper unbegrenzt weiterbestehen könnte mit einer Erneuerung seiner Vitalität – das schon, aber wie kommt die anfängliche Bildung zustande?

Ja, die Materie, die Substanz.

Genau!

(langes Schweigen)

Ich weiß nicht, wie sich rein wissenschaftlich gesehen das Kind in der Mutter bildet... In unserem System wird die Nahrung fast entmaterialisiert, um verwertet zu werden – ist es bei der Entstehung des Kindes das gleiche?

Ja, die gleiche Nahrung dient dem Kind.

Ja, aber in der gleichen entmaterialisierten Form?

In der gleichen Form.

Wird sie durch das Blut übermittelt?

Es wird durch das Blut der Mutter ernährt. Eigentlich ist die Nabelschnur die Verbindung der Nahrungsübertragung.

Ach, nur das... Deshalb ist dieser Prozeß eines "Materiell-Werdens" und "Entmaterialisiert-Werdens" eigentlich unnötig... Wenn man die Nährstoffe direkt bekommen könnte...

Ja, ja.

Aber woraus bestehen sie rein wissenschaftlich, chemisch betrachtet?

Es sind Moleküle und Atome. Verschiedene Verbindungen von Molekülen und Atomen 3 .

Die uns aber nicht materiell erscheinen?

Sie sind materiell in dem Sinne, daß sie beobachtbar sind.

Sie sind beobachtbar?

Ja, man kann sie messen.

(nach einem Schweigen)

Das heißt, zur Zeit bedarf die Bildung dieser Atome noch des Umwegs der Materialisierung und der darauffolgenden Entmaterialisierung, um... [assimilierbar zu werden]. Die Dichte der Materie ist nur ein Schein. Diesen Punkt verstehe ich nicht vom rein wissenschaftlichen Standpunkt aus.

Ja, wenn du zum Beispiel eine Karotte oder eine Kartoffel zu dir nimmst, ist das meiste davon unnützer Abfall, und nur die Essenz der Sache wird verwertet.

Ja, wenn man diese Essenz direkt aufnehmen könnte, gäbe es folglich keinen Abfall mehr, und es wäre nicht nötig, die Nahrung zu entmaterialisieren und wieder zu materialisieren... Man hat ja bereits die Vitamine entdeckt, sozusagen eine Form... (wie soll ich sagen?)

Konzentriert?

Konzentriert – aber das, was wir als "konzentriert" bezeichnen, ist etwas, das immer materieller wird, während dies nicht materiell ist... Man sagt: "Du mußt feste Nahrung essen, weil du so gebaut bist"; aber drehe das Problem einmal um: Wenn du keine feste Nahrung zu dir nähmest, dann wäre dieser Körperbau unnötig! (Lachen) Dann bräuchte man keinen Magen usw.... Was könnte dies ersetzen?

Man müßte die vitalen Energien direkt aufnehmen können.

Ja, das ist es.

Nichts Materielles, sondern im Vital.

Aber diese Dinge werden jetzt entdeckt, denn man kann sich schon von Vitaminen und solchen Sachen ernähren.

Ja, aber die Vitamine stellen noch einen materiellen Prozeß dar. Er wird sehr konzentriert, basiert aber immer noch auf etwas Materiellem.

Doch dies könnte eine Übergangslösung sein.

Aber das andere wäre wirklich das Absorbieren eines anderen Grads von Energie – wie du es damals durch das Einatmen des Dufts der Blüten machtest, oder wie es Madame Théon tat, als sie sich ich weiß nicht mehr welche Frucht auf die Brust legte.

Eine Pampelmuse... Das habe ich selber gesehen, außerordentlich! Sie legte die Frucht auf die Brust, und nach einiger Zeit war sie völlig ausgetrocknet. Sie legte sie einfach dahin und ließ sie mehrere Stunden dort, und als sie sie wegnahm, war sie völlig ausgesaugt, da war nichts mehr.

Ich habe mir schon öfter gesagt, daß es dir doch möglich sein sollte, dich von Luft zu ernähren.

Ach, nein – die Luft ist eklig! Sie ist voll vom Atem all der Menschen. Das ist das Eklige daran. Man bräuchte... etwas anderes.

Ich hatte folgende Erfahrung: Als ich in den Bergen war, brauchte ich fast nichts zu essen. Ich fühlte, wie die Luft mich ernährte – aber nicht hier. Hier ist es ekelhaft.

Das erschwert die Dinge.

Man könnte sich "Nahrungsballons" vorstellen. (Lachen)

Schüsseln voll frischer Luft...

Oder als Übergangslösung ein System, um die Luft zu reinigen; statt der Lungen etwas, das die Luft reinigt, so wie man die Nahrung reinigt.

Ach, wieviel Uhr ist es?

 

1 Satprem wollte sagen, daß jene Welt eine Welt der Arbeit und nicht der Kontemplation oder der Betrachtung zu sein scheint.

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2 Siehe Gespräch vom 9. Mai

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3 Es erübrigt sich, darauf hinzuweisen, daß Satprem auf wissenschaftlichem Gebiet völlig unwissend ist.

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